Back to the roots - Wie Pflanzen den Winter überstehen

Wenn im Spätherbst die ersten Fröste herannahen, geht es bei vielen Pflanzen ums „Sein oder nicht sein.“

Gespenster Hainbuche 

Alle Einjährigen haben keine Chance zu bleiben. Ihr Dasein endet meist mit dem ersten Frost. Zahlreiche Sommerblumen, Gemüse und Kräuter haben in den letzten Monaten aber ein intensives Leben geführt und alles gegeben, um rechtzeitig zu blühen, zu fruchten und möglichst viele Samen zu bilden. So werden die Nachkommen von Sonnenblume und Co. den Winter gut geschützt in ihren harten Samenschalen überstehen, um im Frühjahr ein großes Erbe anzutreten - sofern sie nicht gerade einem hungrigen Tier oder Menschen als Zwischenmahlzeit dienen.

Kapuzinerkresse erfriert bereits im ersten Nachtfrost

Stauden treibt die unbändige Sehnsucht, länger zu leben. Frost hin oder her. Vom Frühjahr bis zum Herbst gab es für sie nur ein Ziel: Nach oben! Zum Licht! Und zwar zügiger als die Nachbarpflanzen. Jetzt ändern sie den Kurs um 180°. Sie wissen genau, dass ihre weichen Teile Väterchen Frost nicht viel entgegenzusetzen haben. Also: „Back to the roots!“ Die meisten Stauden brechen ihre oberirdischen Zelte im Herbst komplett ab und ziehen sich in ihre Zwiebeln, Knollen oder Rhizome zurück – ausgestattet mit wertvollen Reservestoffen, um im Frühjahr sofort wieder durchstarten zu können.

 Gunnera tinctoria 1

Deshalb ist es jetzt Zeit, sich einen Spaten zu schnappen und auf Schatzsuche zu gehen. Sie können so manche verborgene Köstlichkeit heben! Löwenzahnwurzeln enthalten z.B. vor dem Winter bis zu 40% Inulin. Ein leckeres Gemüse nicht nur für Diabetiker! Vielleicht finden Sie auch Baldrian? Ein Tee aus den Wurzeln hat eine beruhigende Wirkung, macht aber gleichzeitig nicht müde.

Winterstimmung

Einige verwegene niedrige Stauden überdauern die kalte Jahreszeit übrigens mit grünen Blättern, z.B. der Günsel oder die Elfenblume. Sie vertrauen darauf, dass ihnen der Winter rechtzeitig eine schützende Schneedecke spendiert.

 Bäume unter schützender Schneedecke

Unter den Gehölzen gibt es Standhafte genauso wie Rückzügler. Ein Problem stellt sich allen Pflanzen: Wenn der Frost das Wasser über längere Zeit erstarren lässt, können es die Wurzeln auch beim besten Willen nicht mehr aufsaugen. Die Pflanze droht zu vertrocknen. Da ist Wassersparen angesagt!

Die meisten Koniferen sind durch ihre Nadeln gut an Trockenheit angepasst. Sie verdunsten viel weniger Wasser als die Blätter der Laubgehölze. Einige Gesellen wie Lärche, Sumpfzypresse und Ginkgo gehen trotzdem auf Nummer sicher und werfen ihre Nadeln vor dem Winter ab.

 Ginkgo biloba Mariken

Und genauso machen es auch fast alle bei uns heimischen Laubbäume! Die Photosynthese wäre an den kurzen und kalten Wintertagen auch nur wenig ertragreich. Warum also das Risiko eingehen, zu vertrocknen... Deshalb lieber weg mit dem Laub! Vorher wird noch alles, was sich irgendwie transportieren lässt, aus dem Blatt herausgebracht: Chlorophyll, Phosphor, Stickstoff und Stärke lagert der Baum bis zum nächsten Frühjahr in die Wurzeln, aber auch in den schützenden Stamm ein.

 Herbstlaub im Wald

Dabei erfreuen uns viele Bäume mit einer spektakulären Herbstfärbung! Beim Abtransport des grünen Chlorophylls kommen endlich auch mal die anderen Farbstoffe im Blatt zur Geltung. Für die leuchtenden Gelb- und Orangetöne sorgt u.a. der Farbstoff Carotin (richtig, von ihm hat die Karotte ihren Namen bekommen!).

 

Wenn schließlich alle Stoffe, die man als Baum noch gebrauchen kann, sicher verstaut sind, gibt es für das Blatt kein Halten mehr: Im Blattstiel wird eine Sollbruchstelle aktiviert und der nächste herbstliche Windhauch lässt bestimmt nicht lange auf sich warten...

 bereifter Lebensbaum

Und was ist mit den Laubgehölzen, die sich vor dem Winter einfach nicht von ihren Blättern trennen wollen, wie z.B. die Stechpalme oder der Buchsbaum? Nun, sie wachsen von Natur aus an einem eher schattigen Plätzchen im Wald und haben ledrige, derbe Blätter, wodurch auch sie die Verdunstung senken können.

 

Ilex aquifolium Argentea Marginata

Wer sein Laub behält, braucht im Frühjahr natürlich nicht in einen neuen Austrieb zu investieren. Für alle anderen heißt es dann: „Back from the roots!“

Mein Paradies Ausgabe 04/17


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